Wirtschaft

Handwerk zwischen Problemen und Perspektiven

Seltene Einigkeit im Ausschuss für Wirtschaft und Technologie des Deutschen Bundestages: Beim Besuch des Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, unterstrichen alle Fraktionen die Bedeutung des Handwerks für die deutsche Wirtschaft. Immerhin 29 Prozent aller Ausbildungsplätze werden vom Handwerk gestellt, und auch Personen mit geringerer schulischer Qualifikation haben hier durchaus noch eine Chance auf einen beruflichen Einstieg und Aufstieg.

Nach vielen Jahren des Rückgangs sei 2011 wieder ein Zuwachs an Beschäftigung im Handwerk zu verzeichnen, sagte Kentzler. Er hob hervor, dass jeder fünfte Auszubildende einen Migrationshintergrund habe und jede vierte Betriebsgründung im Handwerk durch Frauen erfolge. Insgesamt hat sich der Anteil von Frauen in Handwerksberufen verdoppelt.

Probleme bereiten dem Handwerk vor allem die gestiegenen Stromkosten: Energieintensive Betriebe wie Galvaniseure und Bäcker, aber auch chemische Reinigungen leiden besonders darunter. Kentzler befürchtet aber auch, dass die Umsetzung der Basel-III-Regelungen in Deutschland den Druck auf das Handwerk vergrößern könnte, falls wegen höherer Eigenkapitalquoten der Banken weniger Kredite ausgegeben werden. Traditionell arbeite der deutsche Mittelstand in sehr viel höherem Maße mit Kontokorrentkrediten, als das im angelsächsischen Raum der Fall ist.

Anlass zur Sorge bietet auch die Eingruppierung der Berufsabschlüsse im Handwerk im Rahmen der europäischen Berufsklassifizierung. Die SPD-Wirtschaftspolitiker machten hier deutlich, dass das Alleinstellungsmerkmal der dualen Ausbildung in Deutschland zu einer entsprechend hohen Bewertung des Abschlusses führen muss.

Weitere Themen der Diskussion: Für steuerliche Erleichterungen bei der Bilanzierung von GmbHs und die Abschreibung geringwertiger Güter müssen praxisgerechte Lösungen gesucht werden. Bei der Beschäftigung von Handwerkern bis 67 Jahren wies Kentzler darauf hin, dass dank moderner Hilfsmittel die Situation eines heute in Ausbildung befindlichen Handwerkers ganz anders als seiner Kollegen vor 20 Jahren sei. Gesundheitsvorsorge in den Betrieben ist erforderlich, muss aber auch von den Arbeitnehmern wahrgenommen werden.