Wirtschaft

Rohstoffsicherheit – wichtig für die deutsche Industrie

Deutschland ist technologisch eines der führenden Länder der Welt, aber leider verfügen wir nur über marginale Vorkommen an Rohstoffen. Einer der wenigen Exportrohstoffe Deutschlands ist Kalisalz. Die moderne Industrieproduktion ist aber zunehmend auf bestimmte Metalle angewiesen, wie die "seltenen Erden", die bei der Produktion von Handys eine wichtige Rolle spielen.

Viele dieser Rohstoffe werden in Ländern der Dritten Welt oder Schwellenländern wie China abgebaut. In etlichen dieser Länder gibt es politische Instabilität. Die Verfügbarkeit der Rohstoffe für die deutsche Industrie ist damit ein Thema, über das die Wirtschaftspolitiker der SPD-Bundestagsfraktion sich mit Vertretern des Bundesverbandes der deutschen Industrie austauschten.

Die Rohstoffsicherheit in Deutschland beruht auf drei Säulen:

  1. Heimische Rohstoffe wie Kali, Natursteine, Industrieminerale, Gips und Kalk.
  2. Sekundärrohstoffe, die durch Recycling im Rahmen einer Kreislaufwirtschaft aus Elektroschrott, Altautos oder Siedlungsabfall wiedergewonnen werden, sowie
  3. Importrohstoffe: seltene Erden, Eisenerz, Kokskohle oder Nichteisen-Metalle.

Der Rohstoffimport hatte im Jahre 2009 in Deutschland einen Wert von 86,2 Milliarden Euro, zwei Drittel davon allerdings machen allein Erdöl und Erdgas aus. Der Anteil aller Metalle betrug immerhin 20 Prozent. Berücksichtigt man, dass die Metallbranche in Deutschland etwa 23.540 Betriebe mit 3,4 Millionen Beschäftigten umfasst, zeigt sich die herausragende Bedeutung der Rohstoffsicherheit. Das Beispiel der Halbleiterindustrie verdeutlicht die Abhängigkeit von einer immer größeren Zahl an Mineralien: In den 1980er Jahren wurden nur 12 verschiedene Elemente verwandt, heute sind es 60.

Zu den spezifischen Problemen der drei Rohstoffsäulen gehören die umweltpolitischen Auflagen beim Abbau heimischer Rohstoffe, zumal die Vorkommen in Deutschland fast vollständig in Schutzgebieten liegen. Die Sekundärrohstoffgewinnung krankt daran, dass die Abfallrichtlinien nicht immer eingehalten werden: Es kommt zum Abfluss von Rohstoffen, die als Abfall deklariert wurden, in Länder der Dritten Welt und nach Osteuropa. Hier müssen Rohstoffkreisläufe durch verstärkte Kontrollen des Zolls unterstützt werden: Nach Schätzungen werden heute 40 Prozent aller Abfälle illegal exportiert.

Die größten Probleme gibt es bei den Importrohstoffen. Zwischen Exportzöllen, unterlaufenen WTO-Regeln, Wettbewerbsverzerrungen, Protektionismus und Spekulation ist der Rohstoffmarkt insgesamt besonders unsicher, weil viele Rohstoffe in Krisengebieten liegen - etwa in Afrika, wo sie oft selbst Anlass für kriegerische Auseinandersetzungen sind. Hier ist politisches Handeln bei der WTO und in bilateralen Verträgen gefragt, die Deutschland und die EU mit rohstoffreichen Ländern abschließen müssen. Eine Absicherung der Explorationsrisiken durch den Staat könnte hier eine flankierende Unterstützungsmaßnahme sein. Weiterhin ist die staatliche Forschungsförderung im Bereich der Rohstoffe und des Recyclings weiter auszubauen.

Die Industrie ihrerseits muss durch die Beobachtung der Märkte und Absicherungsoptionen für eine stetige Rohstofflieferung sorgen. Projektgesellschaften im Rahmen der Rohstoffallianz sorgen für Koordination und Verstetigung. Und soweit sie nicht durch die Schließung der letzten Kohlegruben gefährdet ist, muss auch deutsche Bergbaukompetenz wieder aufgebaut und in Anspruch genommen werden.

Für das Überleben hochqualifizierter deutscher Industrieproduktion ist die Lösung dieser Probleme dringend erforderlich. Deshalb ist der Ansatz, staatliche Rohstoffallianzen zu schließen, die richtige Strategie – wenn damit verbunden ist, dass es zu fairem Handel kommt und die Entwicklungschancen dieser Länder stets mit in die Strategie einbezogen sind.