© Lars Kocherscheid-Dahm

v.l.n.r.: Frank Lemloh, Tina Heine, Ingo Egloff, Siggi Ehrmann

 

Kreativwirtschaft

"Kultur - Kreativ - Wirtschaft" - Fraktion-vor-Ort-Veranstaltung mit Siegfried Ehrmann

140 Milliarden Euro Umsatz, mehr als eine Million Beschäftigte: der deutsche Kreativsektor ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das machte Siggi Ehrmann, der kultur- und medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, auf der Podiumsdiskussion „Kreativ-Kultur-Wirtschaft“ am 13. Oktober in Hamburg deutlich.

Die Wirtschaftskraft der Unternehmen ist allerdings sehr unterschiedlich. Ehrmann betont: 97 Prozent der Kreativ-Unternehmen sind Klein- und Kleinstunternehmen, die restlichen 3 Prozent erwirtschaften 73 Prozent des Umsatzes. Zudem ist die Kreativwirtschaft ein heterogenes Feld: 11 Branchen werden unter diesem Begriff zusammengefasst, von Architektur bis Software-Industrie, von Musikbranche bis Filmwirtschaft.

Ingo Egloff, MdB und Mitglied in der AG Kreativpakt der SPD-Bundestagsfraktion, hatte zu der Veranstaltung eingeladen, um Probleme zu diskutieren. Etwa jenes der Suche nach finanzieller Unterstützung, die im Kreativsektor häufig schwierig ist. Gerade bei der Existenzgründung sind die von Banken angebotenen Kredite oft unpassend, denn Sicherheiten sind im Kreativbereich selten. „Hier muss man in Ideen investieren, nicht in Maschinen und das macht den Kreditinstituten Probleme“, sagt Egloff.

Doch selbst nach Jahren auf dem Markt „gibt es Situationen, in denen Unternehmen Unterstützung brauchen. Sei es, dass sie expandieren wollen oder vorübergehende Engpässe haben“, betont sei Frank Lemloh, der Vertreter des Kompetenzzentrums Kultur- & Kreativwirtschaft des Bundes für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern. „Ein Sparkassenbetriebswirt hat vielleicht nicht das Verständnis für diesen Bereich. Deshalb ist das Instrument der Mikrokredite die richtige Hilfe für diese Bereiche.“ Und wenn es darauf ankomme finanzielle Engpässe zu überbrücken seien auch die staatlichen Förderbanken gefordert.

Auf der Veranstaltung wurde deutlich, dass die Abgrenzung zwischen Kultur- und Wirtschaft nicht immer einfach sei. Tina Heine, die Gründerin Elbjazzfestivals und Inhaberin eines Jazz-Cafés erklärte: „Wenn ich nur Förderung für ein Event haben will, gehe ich zur Kulturbehörde, da fragt keiner nach Businessplänen. Wenn ich mir den Wirtschaftsbereich der Kreativwirtschaft ansehe, dann komme ich ohne Businesspläne nicht aus.“ Deshalb war man sich auf dem Podium einig, dass das von Siggi Ehrmann präsentierte Beispiel der Popakademie Mannheim, wo die Vermittlung von wirtschaftlichem Know-how zur Ausbildung gehört, auch in andere Ausbildungsgänge übertragen werden müsse.

In seinem Schlusswort betonte Siggi Ehrmann unter großem Beifall des Publikums, dass man bei aller Bedeutung der Kreativwirtschaft „Kultur nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sehen darf, sondern immer der kulturelle Wert im Vordergrund zu stehen hat.“ Allerdings müssten auch staatlich geförderte Festivals darauf achten, dass die angemessene Gage der Künstler mit einkalkuliert werde, nicht nur Technik und Bühnenaufbau. „Daran mangelt es ganz oft und das dürfen wir nicht akzeptieren“, so Ehrmann.