© Julian Rodenbeck
Offshore-Windenergie
Die Offshore-Windenergie bietet für den maritimen Standort eine große ökonomische Chance.
Mit der Windkraft im Meer entsteht ein neues Marktsegment direkt vor unserer Haustür, von dem auch die maritime Wirtschaft und die Zulieferindustrie profitieren werden.
Dabei kann insbesondere das Zusammengehen eines etablierten Industriebereiches wie der maritimen Wirtschaft mit der jungen Offshore-Branche große Schubkraft für die gesamte Küstenregion entfalten.
Denn hier treffen umfassende, über lange Jahre entwickelte Kompetenzen der maritimen Branche mit der Innovationskraft der Windenergie-Unternehmen zusammen.
Mit der konsequenten Weiterentwicklung der Häfen für den Windenergie-Bereich besteht für die Nord-Länder die große Chance, ein Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln und einen ganz neuen Wirtschaftszweig zu etablieren, der neue Jobs und steigende Steuereinnahmen bringt.
Die Voraussetzungen dafür sind günstig: Mit Emden, Cuxhaven, Wilhelmshaven, Bremerhaven und Helgoland, aber auch Rostock gibt es mehrere Hafenstandorte mit unterschiedlichen Ausrichtungen, und bereits heute bestehen gut entwickelte Netzwerke in Wirtschaft und Wissenschaft.
Hier gilt es anzuknüpfen, um die Regionen fit für die Offshore-Aktivitäten zu machen.
Der Erfolg der Häfen als Standort der On- und Offshore-Windkraft wird nicht zuletzt davon abhängen, den Bedarf der Unternehmen der Windenergiebranche an gut ausgebildeten und qualifizierten Fachkräften zu sichern.
Denn die Häfen werden künftig nicht nur Zentren der Produktion, sondern auch der Montage, Logistik und Distribution von Anlagenkomponenten und Ersatzteilen sein. Schließlich werden die Anlagenkomponenten – aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts – künftig vor Ort, also im Hafen, produziert und montiert sowie auf Schiffe verladen werden.
Neue Arbeitsplätze sind daher nicht nur im traditionellen Bereich des Maschinenbaus zu erwarten, sondern auch in vielen vor- und nachgelagerten Bereichen der Produktion – etwa wenn es um Hafeninfrastruktur, Logistik- und Errichtungsdienste sowie den Betrieb und die Wartung von Windenergieanlagen geht.
Ein wichtiger Baustein zur Ansiedlung von Unternehmen der Offshore-Branche ist daher die Entwicklung eines qualitativ hochwertigen Umfelds der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Hier sind die Hafenstandorte in verschiedener Hinsicht gefragt. Einerseits geht es darum, die notwendige Infrastruktur einschließlich ausreichender Kapazitäten für Schwerlast-Lagerflächen zur Verfügung zu stellen, andererseits darum, den Arbeitskräftebedarf zu befriedigen.
Die Frage der Infrastruktur darf nicht daran scheitern, dass vor allem kleinere Hafenstandorte die Kosten nicht tragen können. Die Forderung eines KfW-Programms Hafen und Schiffe in der Größenordnung von 2,5 Milliarden Euro aufzulegen ist daher aus mehreren Gründen sinnvoll. Die Vorfinanzierung und Umstrukturierungsprozesse sind der Hauptfaktor für den Ausbau, dazu muss die Umstellung der Werften auf den Spezialschiffbau finanziert werden.
Norddeutschlands Werften sind prädestiniert für den Bau von Spezialschiffen für die Installation der Offshore-Windparks. Die Sietas-Werft in Hamburg hat einen ersten Auftrag. Aber auch hier gilt, dass die asiatische Konkurrenz nicht schläft und ebenfalls gemerkt hat, dass hier viele Aufträge zu bekommen sind.
Denn es geht ja nicht nur um Deutschland. Wer bei dieser Technologie die Nase vorn hat, wird bei steigendem Installationsvolumen von Windenergieanlagen auf der Welt beste Exportchancen haben. Der Markt für Offshore-Spezialschiffe wird von der KPMG auf bis zu 6,5 Milliarden Euro beziffert. Hier ist die Politik gefordert, mit Bürgschaften oder dem Bau eines Referenzschiffes Unterstützung zu leisten.
Insgesamt gelingt es, ganze Wertschöpfungsketten in Norddeutschland zu installieren, von Werften und Maschinenbau bis hin zu Unternehmen der Grundstoffindustrie: Kupfer, Aluminium, Stahl. In Hamburg gibt es den größten Kupferproduzenten Europas, Aurubis, die frühere Norddeutsche Affinerie. Besonders die Kupferindustrie profitiert von der Offshore-Technologie, denkt man an die Kabel, aber auch an die über die Häfen zu importierenden Rohstoffe, in diesem Fall vor allem über Brunsbüttel. Die Kette der Wertschöpfung an den norddeutschen maritimen Standorten beginnt beim Rohstoffimport, erstreckt sich über die Grundstoffindustrie, den Bau und die Installation der Windenergieanlagen, die Verlegung der Kabel, den Bau von Koppel- und Schaltstellen, Transformatorplattformen und den Stahlbau für die Strommasten bis hin zur späteren Wartung und Unterhaltung der Anlagen, die eine langfristige Nutzungsauslastung der Häfen sichern wird.
Die Energiewende eröffnet zahlreiche weitere Möglichkeiten für Häfen, bedenkt man zum Beispiel, dass Hamburg im Rahmen seines Universalhafenkonzepts dabei ist, auf die Ansiedlung von Industrie für den Bereich der Elektromobilität zu setzen. Hamburg kalkuliert damit, dass hier eine im Autoland Deutschland immer wichtiger werdende Branche im Rahmen des Masterplans Industriepolitik gezielt angesiedelt werden kann. Die Planung eines Elektromotorenwerks im Hamburger Hafen – anstelle eines weiteren Containerterminals im mittleren Freihafen – knüpft daran an, dass Hamburg einer der wichtigen Standorte für regenerative Energien ist. Die Zentralen wichtiger Windenergiefirmen, die Ansiedlung von General Electric, die Erforschung und Förderung der Wasserstofftechnologie als Speichermedium, sind Bestandteil einer Strategie zur Energiewende und passen schon deshalb in den Kontext der heutigen Diskussion, zumal die Ansiedlung des Elektromotorenwerks im Hafen auch bewusst auf Export und damit auf die maritime Wirtschaft ausgerichtet ist.
Insgesamt sorgt die Offshore-Technik und die Installation der Windenergieparks in Norddeutschland für viele Jobs in der traditionellen Hafenwirtschaft, für die Sicherung, Weiterentwicklung und den Ausbau industrieller Arbeitsplätze in der maritimen Industrie, aber auch weit darüber hinaus. Wir sind jedenfalls guten Mutes, dass ein erheblicher Teil der für den Windenergiesektor prognostizierten 150.000 neuen Arbeitsplätze in Norddeutschland entstehen werden.